Stückauswahl

Die Jury hat aus 44 Einsendungen 11 hochwertige Produktionen für Kinder und Jugendliche ausgewählt.
Wir können ein breites Spektrum des Kinder- und Jugendtheaters aller Sparten anbieten und gratulieren allen teilnehmenden Künstler:innen zu ihrer Auswahl!

Materialtheater (3-5 Jahre)

Sarah Wissner (Neuss)

Da steht ein Geheimnis.
Ein Geheimnis mit vier Wänden, einem Boden und einem Dach.
Was, das ist nur ein Karton? Wartet nur ab:
Das ist eine ganze Welt!
Wir laden ein auf eine Entdeckungsreise mit, um und aus Karton.
Was ist da, was ist nicht da und was könnte da sein?
Eine spielerische Fantasie mit Hand und Fuss.

Jury-Begründung Mit großer Langsamkeit und Präzision lässt Sarah Wissner aus einem einzigen Karton eine eigene Welt erstehen. Sie zeigt uns, wie intensiv wir mit ganz alltäglichen Dingen experimentieren können. Raschel ist ein mutiges Stück, weil es mitten in unserer Materie-Flut konsequent reduziert. Es zeigt uns die Ästhetik und Poesie der einfachen Dinge und einen phantasievollen Umgang damit. Beeindruckt hat uns dabei Sarah Wissners federleichter Humor und der direkte Kontakt zum Publikum. 


  


Spiel und Konzept: Sarah Wissner
Regie: Emilien Truche
Künstlerische Betreuung: Ines Müller-Braunschweig


Sarah Wissner -Als Figurenspielerin, Schauspielerin, bildende Künstlerin, Regisseurin und Coach ist Sarah Wissner im Theater animierter Formen zu Hause. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Verbindung von visuell gestaltender und darstellender Kunst in ihren Arbeiten. Ihre Werke sind geprägt von einer starken Bildsprache, skurrilem Humor und großer Experimentierfreude. Sie studierte 2013-2017 Figurentheater an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.


sarahwissner.de


Theater mit Akkordeon und Clown (3-9 Jahre)

Theater La Senty Menti (Frankfurt/ Main)

20.09.2022 – 9.30 Uhr Hatzfeld/ Eder
29.11.2022 – 9.00 & 11.00 Uhr Seligenstadt 


Ein mächtiges Akkordeon, das ganz zart atmet. Eine rote Clownsnase, die fliegen kann und ziemlich schnell ziemlich viel Gesellschaft bekommt. Ein kleiner grüner Koffer, der Tango tanzt, und ein Besen, der sich selbständig macht. Die Tücke des Objekts und die Poesie der Verwandlung begleiten diese Entdeckungsreise voller Überraschungen. Dabei könnten die Reisenden unterschiedlicher nicht sein: da ist der Clown, dem nichts so recht gelingen mag, und, am Akkordeon, eine Musikerin die scheinbar immer weiß, wo’s langgeht. Klar, dass da kräftig gestritten, getanzt, gestolpert, geweint, gelacht, geherzt und geschimpft werden muss. Klar aber auch, dass jeder von beiden den anderen braucht. Nur zusammen sind sie stark. Nur zusammen entsteht der Zauber.


Jury-Begründung Genau so wünscht man sich die ersten Theatererlebnisse für Kinder! Clownin, Liora Hilb, und ihre Akkordeon-Spielerin führen ihr Zwiegespräch auf italienisch und akkordeonisch. Wer nun meint, das verstehe keiner, wird überrascht sein: Die Kinder begreifen genau, was da vor ihnen auf der Bühne verhandelt wird und erkennen sich und ihre Welt in den Spielen und Neckereien, der beiden wunderbaren Figuren. In einem Bühnenbild, das mit einfachsten Mitteln eine Zirkusarena erstehen lässt, werden poetische heitere Szenen gespielt. Dabei ist die musikalische Sprache des Akkordeons, das atmet, singt und ja, spricht!, ein gleichwertiger Partner, der mit für die Stimmungen und Emotionen sorgt.


  


Spiel: Liora Hilb
Live-Musik: Beate Jatzkowski 
Idee, Konzept: Célestine Hennermann, Liora Hilb
Bearbeitung: Günther Henne
Bühne, Kostüme: Anke Lenz
Fotos: Katrin Schander


Eine Performance mit Tanz, Musik und Sound (4-8 Jahre)

Hennermanns Horde (Frankfurt/Main)

16.11.2022 – 15 Uhr E-Werk, Bad Homburg


Jedes Kind hat vor irgendetwas Angst. Wer kenn das nicht: Dunkelheit, Gewitter, Hunde, das Monster unter dem Bett oder Mama muss plötzlich gehen.
Die Tänzerin Katharina Wiedenhofer und der Musiker Gregor Praml mit seinem großen Kontrabass stellen sich ihren Ängsten und nähern sich ihnen ganz behutsam an. Gemeinsam mit den Kindern begeben sie sich auf die Suche nach dem, was Angst auslöst und wie man ihr gegenübertreten kann. Jeder Schritt auf das Unbekannte wird vorsichtig und langsam genommen, immer wieder versichert sich der eine bei dem andern, keiner bleibt alleine, sondern hat immer, wenn Gefahr zu drohen scheint, die/den andere dabei. Zusammen trauen sie sich etwas zu und begreifen die Angst als Chance zu wachsen, wenn man sich ihr stellt. Scheinbare unüberwindbare Situationen kehren sich in ihr Gegenteil: Aus dunkel wird hell, aus schwer leicht, aus Zittern stolzes Lachen, aus Flüstern laute Musik.


Jury-Begründung Wenn das Cello loslegt, wird die Tänzerin lebendig. Sie entdeckt die Beweglichkeit ihres Körpers, springt, strahlt Freude und Lebenslust aus. Bis – ja was eigentlich, passiert? Seltsame Geräusche, dunkle Ecken, Lichtveränderungen kommen ihr komisch vor. Das Unwohlsein steigert sich zu Angst, der Atem geht schneller, die Bewegungen werden fahrig. Ganz nah dran erleben wir, wie Gefühle im wahrsten Sinne des Wortes den Nacken hochkriechen, bis in die Fingerspitzen erfahrbar sind, die Frau klein werden lassen. Bis sie sich mutig ihren Ängsten stellt. Eine ungewöhnliche und beeindruckende Tanz-Seherfahrung für die Jüngsten!


  


 

Choreografie, Idee & Konzept: Célestine Hennermann
Tanz & Choreografie: Katharina Wiedenhofer
Live-Musik & Komposition: Gregor Praml
Raum & Kostüm: Nathalie Meyer
Bühnenbild: Marco Niegel
Fotos: Daniel Blattmann
Produktionsleitung: Heike Klauer
Management: Alexandra Schmidt / tanzmangement


Figurentheater (4-8 Jahre)

Theater des Lachens (Frankfurt/ Oder)

tba


Manchmal ist in einem Ei nur Ei, also Eigelb und das weiße drumrum. Manchmal ist in einem Ei aber auch ein Küken. Viele Leute essen gern Eier. Tiere auch. Marder, Füchse… Fuchs Konrad ist sehr hungrig. Und das Küken im Ei unterm Bauch einer Ente hat noch keinen Namen. Und so lernen sie sich kennen…Ihr fürchtet ein bisschen um das Küken? Ihr habt Mitleid mit dem hungrigen Konrad? Dann lasst euch diese furchtbar erstaunliche und schrecklich vergnügliche Geschichte erzählen, in der es ein kleines Bisschen anders zugeht, als man zunächst annimmt…


Jury-Begründung Es ist die skurrile Diskrepanz eines Fuchses, der zwischen Hunger, Verfressenheit und plötzlich aufkommenden Vatergefühlen zu entscheiden hat. In Torsten Gesser vom Theater des Lachen erleben wir einen Spieler, der mit einem perfekten Timing und sehr gekonnter Sprachakrobatik eine Inszenierung für Kinder im Vorschulalter präsentiert. Ohne ‚Kinder-zu-tümeln‘ und mit einem tollen Witz wird unübertrieben das Verhaltensmuster von Kindern widergespiegelt.


nach dem Kinderbuch von Christian Duda und Julia Friese


  


Spiel: Torsten Gesser

Regie: Eva Schmidtchen
Ausstattung: Eva und Paul Schmidtchen, Musik: Marta Olejko
Fotos: Theater des Lachens


Figurentheater (5-10 Jahre)

flunker produktionen (Dahme, Brandenburg)

17.09.22 – 15 Uhr Blumenhof Weilmünster 
18.09.22 – 15.15 Uhr Eröffnung kaleidoskop 2022 Waggonhalle Marburg
21.09.22 – 15 Uhr E-Werk Bad Homburg
23.09.22 – 15.30 Uhr Seligenstadt
7.12.22 – 9 & 11 Uhr Mainhausen

Ein freches und lustvolles Spiel um Sehnsüchte und Wünsche.
Mitunter gemeinsam mit dem Publikum.
Zwei herrlich zwielichtige Halunken erfüllen sich ihren größter Wunsch: Wunscherfüller*in sein. Sie springen über alle Schatten und lassen die Zuschauenden ins Vergnügen stürzen: mitten hinein ins Glitzer und Gloria. Eine heile Welt aus oberflächlichem Glück zieht vorbei, lässt Abgründe aufblitzen und macht den Weg frei für die eigentlichen Wunschräume, eben die inneren, die, in denen die Zuschauer*innen sich selber wiederfinden – dort im Zwischenreich von Realität und Fantasie.

Jury-Begründung In dieser Inszenierung ist alles verwoben, Traum, Realität, hoffen und bangen und alles geschieht mit einem enormen Mut an Fantasie, an dramaturgischen Brüchen, wobei das Quäntchen Frechheit nicht fehlen darf. Die Spieler schaffen eineunglaubliche Spannung und treffen genau die Gefühle und Sehnsüchte des kindlichen Publikums. Kindertheater der Extraklasse!


  


Regie: Lutz Großmann
Spiel: Claudia Engel, Matthias Ludwig
Ausstattung: flunker produktionen
Puppen: Claudia Engel
Ausstattungsassistenz: Nina Stammer


www.flunkerproduktionen.de


Figurentheater (5-10 Jahre)

Figurentheater Eigentlich (Frankfurt/Main)

19.09.2022 – 9 & 10:30 Uhr Blumenhof Weilmünster
09.11.2022 – 9 & 11 Uhr Biedenkopf


Sophie ́s Opa war Seefahrer (ein echter ) und hat ihr seine alte Seemannskiste hinterlassen. Darin hat sich allerlei Krimskrams angesammelt und auch Kralle, seine Ratte, hat sich dort eingerichtet.
Gemeinsam erleben und erfinden Sophie und Kralle im turbulenten Zsuammenspiel die rasante Geschichte von Käpt ́n Knitterbart, dem Schrecken aller Meere, der das Mädchen Molli kapert um Lösegeld von ihren Eltern zu fordern. Doch Molli gibt nicht klein bei, die Wilde Berta taucht auf, und es kommt zum Großen Finale: Piraten gegen Piratinnen… Attacke 
Ein wunderbar fantasievolles Stück Theater nach dem Kinderbuch „Käpt’n Knitterbart und seine Bande“ von Cornelia Funke*.  


Jury-Begründung Birte Herbold vom Figurentheater Eigentlich ist eine grandiose Spielerin und Erzählerin. In ihrer Inszenierung von „Käp´n Knitterbart“ schafft sie es meisterlich, die Kinder in ihrem Stück einzubeziehen. Die Spielerin schafft es durch Präzision und Beobachtung das kindliche Spiel fokussiert auf die Bühne zu bringen. Herausragend dabei der Einsatz von Objekten als dramaturgisches Mittel


  


Idee + Konzept: Birte Hebold
Regie: Jule Kracht
Spiel: Birte Hebold
Bühne/Kiste: Nils Wildegans
Ausstattung: Team
Puppe: Susi Meinert
Fotos: Figurentheater Eigentlich


Tanztheater (5-11 Jahre)

Verena Steiner (Hamburg)

3.12 um 15 Uhr Schlüchtern


UNGEHEUER ist ein Tanzstück für alle ab 5 Jahren, das die sagenumwobene und fantastische Figur des Ungeheuers in Kinderwelten ins Zentrum stellt und sie mit tänzerisch- choreographischen, stimmlichen, musikalischen sowie skulpturalen Mitteln auf ihre empowernden Potenziale für Kinder auslotet.


Jury-Begründung Berge aus Knittergold glitzern aus dem Hintergrund. Davor drei Typen in wilden Kostümen, die einen Song singen – begleitet von Live-Musikern. Die drei Ungeheuer haben individuelle Eigenarten, ein wunderliches Bewegungsrepertoire und geben eigenartige Geräusche von sich. Erstaunlicherweise haben auch sie öfers mal Angst! Eine superoriginelle Aufführungen zwischen Performance und Tanz mit zeitgenössischer Ausstattung, die wirklich staunen lässt und uns im Flow der Musik mitreißt.


  


VON & MIT: Verena Steiner (Künstlerische Leitung, Choreographie & Tanz), Franklyn „Slunch“ Kakyire & Angela Kecinski (Tanz & Co-Choreographie) / Franca Luisa Burandt (Tanz Fussel Substitute), Vincent & Yvonne Dombrowski (Sounddesign & Musikperformance), Lasse Golz (Substitute Musikperformance), Raphaela Andrade (Bühnenbild), Natascha Dick (Kostüm), Franca Luisa Burandt & Su Jin Kim (Dramaturgische Beratung), Jochen Roller (Künstlerische Supervision), Uta Engel (Künstlerische Produktionsassistenz & Lichtumsetzung), Christian Grundey (Video & Schnitt), Christian Meyer (2. Kamera), Valerie Witt (Lichtassistenz & Stagehand)


Materialtheater (6-12 Jahre)

Andreas Mihan (Berlin)

16.09.2022 – 19 Uhr Blumenhof Weilmünster
30.11. 9 & 11 Uhr Biedenkopf


Dreißig Pappbecher zischeln als todbringende Schlange über die Bühne, gelenkige Schreibtischlampen mit leuchtenden Pappmasken verweigern als dreiköpfiger Höllenhund dem Held den Eintritt in die Unterwelt. An einem Mast erhebt sich wehend der Fährmann Charon und am Berg flucht Sisyphos als hölzerner Hampelmann über seinen Stein und den Sinn des Lebens.
Orpheus ist genreübergreifendes Theater für Kinder und Erwachsene ab 8 Jahren. Darsteller Andreas Mihan bespielt sämtliche Figuren, baut die Bühne um, erzeugt mit Mikrofon und Loopstation Klänge und Lieder und zeigt, wie durch einfache Mittel komplexe Welten entstehen.  


Jury-Begründung Orpheus ist Held, Sänger, leidenschaftlich Liebender – und in dieser Inszenierung auch großmäulig, übermütig und manchmal arrogant! Komplex entstehen in schnellen fließenden Verwandlungen Ungeheuer, Unterwelt-Landschaften und dank Fußpedal live musikalische Spielereien vom a capella-Chor bis zur fetzigen Rock‘n Roll-Nummer. Der griechische Mythos wird hier mit Witz, Elementen des Figurentheaters und durchaus kritischem Blick auf Orpheus‘ Beweggründe gespielt. Zeitlos und gerade für Jugendliche ein bereicherndes und wunderbar entstaubtes Stück Weltliteratur!


  


Text & Inszenierung Andreas Mihan 
Bühne, Kostüme & Figuren Teresa Pesl
Spiel Andreas Mihan, Fotos: andreu andreu, produziert am Stadttheater Giessen 2012


Theater mit Gebärdensprache (7-12 Jahre)

Theater PiedDeFou (Hildesheim)

09.11.2022 – 10 Uhr Freiherr-von-Schütz-Schule, Bad Camberg


In der Schule herrscht große Aufregung. Das Geld für den Schwimmbadausflug ist weg.
Wurde es wirklich geklaut? Noa wird verdächtigt und nun gilt es für die drei Hobby- Detektivinnen “die Schlautauben” herauszufinden wer es wirklich war.
Schauplatz der Geschichte ist ein Hinterhof mit Klettergerüst. Hier kommen die Schlautauben zusammen und machen sich auf Spurensuche, überlegen sich mögliche Motive, spielen verschiedene Varianten des Diebstahls nach und suchen nach Lösungen der auftauchenden Probleme. Dabei entdecken sie immer mehr unterdrückte Gefühle, die dringend ein Ventil suchen, denn bei diesem Fall geht es um sie selbst. Am Ende machen sie eine überraschende Entdeckung… Spielerisch und mit viel Körpereinsatz agieren die drei Spielerinnen, während die Zuschauenden einer spannenden Geschichte folgen, in der es immer wieder um das Chaos der Gefühle geht. 


Jury-Begründung Die Schlautauben sind ein sympatisches Detektivteam, das uns in ihre Nachforschungen mitnimmt. Begeistert fiebern wir mit, wenn sie bilingual kommunizieren und wir ganz nebenbei auch Gebärdensprache hautnah erleben. Ihr Umgang mit Scham, der eigenen und der von anderen, lässt uns ein tabuisiertes Gefühl reflektieren, das gerade in der Jugendzeit so stark herausfordert. Ein wichtiges Stück für diese Altersgruppe, das obendrein großen Spaß macht


  


Mit: Karla Hennersdorf, Theresa Henning, Geli Strahl
Musik: Theresa Henning
Inszenierung: Reiner Müller
Choreographie: Geli Strahl
Kostüm: Karla Hennersdorf
Gebärdenunterstützung: Zara Polat
Bühnenbau: Alexander Tripitsis
Malerei: Ole Görgens


(ab 14 Jahre)

Brachvogel & Werling Freies Theater GbR (Impflingen)

Nominiert für den Stella ’22 (ASSITEJ Österreich)
18.09.2022 – 18 Uhr Eröffnung kaleidoskop 2022 an der Waggonhalle Marburg
01. & 02.12.2022 – 9.25 & 11.25 Uhr Schotten


Jonas Werling erzählt Kleists 1808 verfasste Novelle nach und zieht Parallelen zum Jetzt: dem Misstrauen in den Staat, in die demokratische Grundordnung, dem Gefühl, in Wirklichkeit verarscht zu werden von „denen da oben“, dem diffusen Zweifel am Wahrheitsgehalt des Status quo. Radikalisierung ist kein Schalter, der umgelegt wird, sondern ein gradueller Prozess. Kleists Rezeptur, die einen redlichen Bürger in einen Extremisten verwandelt, ist zeitlos gültig.


Jury-Begründung Was hier mit dem Kohlhaas von Kleist geschieht, ist grandios! Jonas Werling an Vocals und Death-Metal-Gitarre, nutzt Textprojektionen, setzt gezielt Social-Media-Videos ein und erweckt so vor unseren staunenden Augen den Aufstand des betrogenen Kohlhaas, dessen Kampf für Gerechtigkeit buchstäblich zum Leben. Seine Erzählweise im Habitus und der Sprache der Jetztzeit, in der er zwischen den Rollen und erläuterndem Text wechselt, verwebt die literarische Vorlage mit aktuellen Themen der heutigen Lebensrealität. Unprätentiös und mit beeindruckender Gelassenheit fesselt er mit scharfsinnigem Witz. Selten wird in einer derart radikalen Schlichtheit ein Stoff der Weltliteratur derart gekonnt auf den Punkt gebracht.


 


Performance, Musik, Komposition: Jonas Werling 
Text: Jonas Werling, Nadja und Martin Brachvogel, Victoria Fux
Regie: Nadja und Martin Brachvogel, Dramaturgie: Nadja Brachvogel, Victoria Fux
Technik: Martin Brachvogel, Fotos: Follow The Rabbit Graz


(ab 14 Jahre)

Ehrhardt/Jung/Mickan/Oh/Steinfelder (Berlin)

14.11.22 – 20.10 Uhr Stage Schlüchtern
15.11.22 – 13.15 Uhr Stadtallendorf
16.11.22 – 10.00 Uhr Stadtallendorf
17.11.22 – 19.00 Uhr Seligenstadt


In den letzten Jahren veränderte sich unsere Lebenswirklichkeit wie lange nicht. Offensichtliche Unklarheiten und Unsicherheiten sind allgegenwärtig. Die Suche nach Erklärungen und Ursachen, um Herr*in über die Lage zu werden, findet immer mehr Aufmerksamkeit. Eine wirkungsmächtige Strategie mit dieser Situation umzugehen, ist der Glaube an Verschwörungstheorien: In dramatischen Erzählungen wird Zufall überwunden und alles in einen sinnvollen Zusammenhang gerückt – Gut und Böse sind plötzlich klar zu erkennen. 
VERSCHWÖRT EUCH! ist eine Recherche basierte, interaktive Solo-Performance, in der wir uns diesem Phänomen stellen. Wir fragen nach den narrativen und performativen Qualitäten von Verschwörungserzählungen und ihrer Bedeutung für den*die einzelne*n Glaubende*n oder nicht-Glaubende*n. Dafür haben wir in Forschungsliteratur und sozialen Netzwerken recherchiert und mit Überzeugten und Kritiker*innen gesprochen. Aus den Interviews und Netzfunden ist ein Theaterabend entstanden, in der sich die Performerin, gemeinsam mit den Zuschauer*innen, auf die Suche nach einer Selbstwahrnehmung der eigenen politischen Handlungsfähigkeit im Moment gesamtgesellschaftlicher Ungewissheit begibt. Dabei erforschen wir Möglichkeiten, im Laufe jeder Performance immer Narrationen aus dem Zusammenspiel von Performerin und Publikum zu entwickeln.  


Jury-BegründungMit Original-Tonaufnahmen und bekannten Motiven der Mondlandung beginnt der Monolog. Verschwörungstheorien sind das Thema der Performerin, die intensiv eintaucht in individuelle Gedankenwelten. Verbindendes Element ist der alles beobachtende Astronaut Buzz Aldrin mit seinem „Raum-Übersprung“, Perspektivwechseln und herrlich verwirrenden Notizen über real geführte Interviews. Auch wir Zuschauenden werden eingebunden, sollen auf Kommando zustimmen oder mithilfe einer Werte-Skala Aussagen beurteilen. Hier zeigt sich das aktuelle Angst-Szenario in einer äußerst intelligent zusammengestellten und gleichzeitig unterhaltsamen Form – überzeugend und wichtig! 


  


Mit Judith Florence Ehrhardt
Künstlerische Leitung Janette Mickan und Sarah Johanna Steinfelder
Szenografie und Kostüme Soojin Oh
Sounddesign Haesoo Eshu Jung
Video- und Tontechnik Hyewon Suk
Grafik Dunja Berndorff
Fotos Kira Hofmann
in Kooperation mit Artistania
gefördert durch#takepart #takeaction im Fonds Darstellende Künste


Vermittlung

Spielend Theater schauen!
Im Jahr 2022 bietet kaleidoskop erstmals für einige Gastspiele ein begleitendes Vermittlungsmodul an. Eine Theaterpädagog:in bereitet die kaleidoskop-Zuschauer:innen spielerisch auf die Aufführung vor und ebenso spielerisch nach. Teilnehmende Veranstalter:innen können ihr Interesse anmelden.